MOR.
21:46
Chaosgedanken? Ja gern. Herumzittern und sich mit jedem Sekundenschlag leichter atmen, dahinsiechen. Es ist nichts mehr da, außer einem kleinen, unwichtigen häufchen Körper.
Mit den Fingern in den letzten, noch verbliebenen Gedanken rumbohren. Ein bisschen blutig kratzen. Tut gut, tut weh. Macht die Gehirnsubstanz morsch und brüchig. Alter, kaputter Körper. Der so daherkrabbelt, auf der selbstverdammten, subjektiv "überlebenswichtigen" Grenzlinie. Zwischen absolutem Selbsthass und absoluter Grandiosität. Den einzigen beiden Möglichkeiten zu überleben; aber das Überschreiten der Linie ist mit viel exogenem Schmerz verbunden. Ich falle nicht gerne auf, doch ich will so vieles, und ich will das Extremste. Ich will das Leben fühlen. Nicht in dieser Pseudobalance bleiben, dahinschwinden. Denn wenn man immer nur auf der Mitte der Straße fährt, geht man irgendwann bei einem Frontalzusammenstoß drauf. Das ist schon bei MOR-Musik nicht anders. (Middle Of The Road - wenn euch die Band nix sagt, einfach youtubieren)
Nicht mehr wollen, weil man zu viel will und nicht kann. Weil man zu viel hasst. Und niemanden hat, gegen den man diesen Hass richten kann. Darf man auch nicht haben, diesen Hass. Also hat man Angst, das ist das Komplementärgefühl zu Hass. Und dann sitze ich da in der Ecke und frage mich, woher der Hass kommt. Es ist nämlich beides, Selbsthass, der Hass auf andere, die Angst, nicht zu genügen und die Angst, nicht zu sein. So einfach. Und das muss doch irgendwo herkommen. Wie gehen andere Menschen mit sowas um? Warum hat man überhaupt diese Gefühle? Ist es nicht möglich, nur einen einzigen Gedankengang für sich zu finden, nur einen einzigen Impuls, um all das verschwinden zu lassen? Ich kann mir nicht vorstellen, dass es im Pleistozän sinnvoll gewesen ist, sich selber zu verabscheuen, zumindest nicht evolutionstechnisch. Und trotzdem gibt es das noch, und ich weiß, ich bin nicht die einzige Person auf diesem Planeten, dessen Nervenimpulse sich auf Aggressionen gegen sich selber schalten. Aber vielleicht, vielleicht haben sich die Umstände geändert, und man muss sich jetzt hassen, um zu überleben. Weil man die Angst, nicht zu genügen, nicht aushalten kann. Weil man dazu verdammt ist, sich auf ewig zu vergleichen. Ich bin nie zufrieden, weil ich subjektiv immer schlechter abschneide. Weil nur das mich vorantreibt: immer irgendwie besser zu sein. Lässt sich logischerweise nicht erreichen. Aber sie treibt voran, die Unzufriedenheit mit sich selbst.