Ehrlichkeit.
22:47
heute haben ich und mein freund 15-monatiges. und was macht er? er wird krank ... x'D
da freut sich die bille natürlich.
nicht, dass er krank ist.
naja doch, aber halt nicht so. .____.
ich meine, ich kann ihn jetzt betüddeln. hab ihn warm eingepackt & zugedeckt. einen tee gemacht, abendbrot gekocht (kartoffelecken & soja-gemüse-bratlinge, ich koch ihm doch keine tierkadaver...), ihn mit so einem erkältungsbalsam eingerieben und dolo dobendans aus den tiefen seines schrankes herausgekramt.
sowas freut mich. ich fühle mich gebraucht. ich kann jemanden bemuttern. fühl mich selbst wie so ne mama. schön kochen und putzi putzi machen. werde zu einem komplett anderen menschen. by the way, ich will nicht wissen, wie viele verschiedene persönlichkeitsanteile ich in mir drin habe. jedenfalls... naja, das habe ich wohl von meiner mutter. sie hat mich ebenfalls betüddelt, als ich klein war. und als ich noch 15, 16 war. "kindchen, willst du dir nicht eine warme mütze anziehen?" etc. und sie hängt noch immer an mir und würde mich am liebsten jeden tag anrufen. sie würde ja sogar wollen, dass ich wieder nach hause ziehe. sie hat mir alles abgenommen. und erst in der reha, mit 18 jahren, wusste ich, wie eine waschmaschine funktioniert und konnte sie bedienen.
kein witz.
meine mutter hat mich zur unselbstständigkeit erzogen. enge freunde nennen mich nicht umsonst prinzesschen (gut, selbst bei freunden fühle ich mich nicht wie ich. also, ich fühle mich nicht und verstelle mich, werde zum naivchen, um mein selbst zu schützen.) weil ich in einigen dingen eben sehr unselbstständig und verwöhnt bin. was zur folge hat, dass ich doch lieber allein bin. ich glaube, nicht mal mein freund kennt mich richtig.
gut, meine mutter hat mir alles abgenommen, damit ich es gut habe. damit mir kein leid wiederfährt. damit mir nichts passiert. sie war eben emotional stark an mich gebunden. und ich auch an sie. sowas nennt man wohl symbiose. man kann nicht miteinander, aber auch nicht ohneeinander. ich will jetzt nicht zu ausschweifend werden. jeder macht fehler in der erziehung, das ist normal, denn nur so kann man über sich hinauswachsen. schlimm ist es nur, wenn man die fehler weitergibt. das nennt man dann wohl erbsünde. und ich weiß, erziehe ich mein kind wie meine mutter mich erzogen hat, so wird mein kind auch ein verwöhntes, egozentrisches gör werden. und das will ich meinem kind ersparen. lustigerweise ist die muuter meines freundes genauso drauf wie meine mutter; mein freund ist also auch zu sehr behütet worden.
ich will nicht wissen, was wir für kinder zustande bringen ... x')
aber...
es ist so schwer, aus sich herauszu treten.
das innere tor zu öffnen und so zu sein, wie man eben ist. unverfälscht, unmaskiert. ich glaube, ich bin nur beim schreiben wirklich ich selbst. als würden meine hände meine gedanken überlisten. als wären sie schneller als meine zweifel. schneller als alle nervenimpulse in meinem kopf. de facto stimmt dies natürlich nicht, was mich darauf schließen lässt, dass ich mich also wirklich selber steuern kann, zumindest beim tippen. aber in realen kontakten bin ich doch sehr... kindchenhaft. rede mit einer hohen stimme und giggel viel herum, so nimmt man mich nicht ernst und ... ich weiß, schwachsinn. aber ich kann mich nicht überstülpen. kommen andere in meine nähe, wird sofort das naivchen-programm hochgeladen, das brave, immer lächelnde ding, die dekoration. immer schön allem zustimmen. innendrin alles betäuben, den selbstbetrug nicht merken. erst hinterher schreien, weil kopfkrieg. zu viele rasende gedanken.
aber ich bin dabei, mich zu öffnen. nicht nur durch das schreiben hier. sehr oft am tag frage ich mich, "was würde sybille jetzt tun?" und dann weiß ich, was ich tun muss. es hat ein bisschen etwas von "auf sein herz hören" .. denn auch tagsüber bin ich nicht ich. ich bin vieles, aber nicht das ding in mir drin. und wenn ich so bedenke, dass alles nur nervenimpulse sind, dann frage ich mich, woher wissen nervenimpulse, zu welchen anderen nervenimpulsen sie gehören? muss doch mehr sein als nur "strom" im gehirn. eine psychologin hat mal zu mir gesagt, dass alle stimmen in meinem kopf, alle tausend masken, trotzdem zu mir gehören. das ist alles in mir drin. und das war ein beruhigender gedanke damals. als hätte man mir zeit gegeben. aber nun will ich mich endlich kennenlernen. und ich freue mich auf den tag, an dem es so sein wird.
(gut ich weiß, der letzte satz war geklammt. aber "prince of persia" ist ein nicht schlechter film, ein bisschen wie herr der ringe meets könig der löwen...)
jedenfalls gilt meine bewunderung all denen, die ehrlich sind. zum beispiel ist mein freund eine der ehrlichsten personen, die ich kenne. und das ist etwas, wofür ich ihn liebe. auch wenn mich die wahrheiten aus seinem munde manchmal umhaun. wir frauen labern ja gern um der harmonie willen. tun einige männer auch, zumindest, wenn sie schlechte erfahrungen mit streitereien im elternhaus gehabt haben, zum bleistift. aber überall trifft man heuchlerei, intriegen und gefallen-wollen. da braucht man bloß die glotze anzumachen nachmittags. kein wunder, das so viele menschen sich abhänig machen. man sucht sicherheit, wo man kann. im partner, im job, bei freunden, beim shoppen, in der musik, im alkohol, beim adrenalin, im internet...
tu ich auch.
aber genau wie alle anderen muss auch ich lernen, sie sicherheit in mir selbst zu finden.