And at the time, I never even noticed I was blue.
21:50
der mensch ist zur gesellschaft verurteilt.
ist es nicht faszinierend, wie das leben auf der grenzlinie der ambivalenz herumtanzt ? alles bleibt ansichtssache.
im alter von 7 jahren war ich fest davon überzeugt, dass das gesamte leben, mein gesamtes empfinden, nur in meiner vorstellung existiert. und nur in meiner. was anderes gab es nicht. kein anderes bewusstsein neben mir. so, wie ich die welt wahrnahm, war die welt. denn ob es die anderen wirklich gab, ließ sich nicht beweisen. alles waren nur geister in meinen gedanken. fuhren meine eltern zur arbeit, lösten sie sich in rauch auf. und ich war nicht mehr allein, weil, es gab ja keinen. nur mich und meinen kopf.
erst in der 10. klasse (Herr Schmidt-Rhaesa sei heilig gesprochen) erfuhr ich, dass man dafür in der philosophie bereits einen begriff gefunden hatte : den solipsismus.
wenn man mit 7 jahren bereits jostein gaarder's sofies welt vorgelesen bekommt, ist die kindheit vorbei. nicht, dass das buch schlecht wäre. es ist großartig. aber die beschäftigung mit existenziellen fragen, der rolle des bewusstseins und die der vernunft hat viel von dem kaputt gemacht, was kinderseelen ausmachen. ich habe mich danach wahnsinng frei, und wahnsinng geschrumpft gefühlt, in mir verkapselt, zur unfreiwillgen last meiner existenz verurteilt. Ich war nur ein teil des großen ganzen und konnte das empfinden dieser welt noch nicht erfassen. als wenn man einen säugling nach der geburt die nötige gewissheit einpflanzt, in was für eine schöne zuckerfarbenwelt er da hineingeboren wird. aber dass das leben nicht ewig dauert.
es macht mich noch immer fertig.
warum schenkt man mir nur dies eine leben, wenn es nach durchschnittlich 80 jahren vorbei sein wird ? mit welchem recht verdammt man ein individuum dazu, teil einer unmessbaren fülle an eindrücken, stimmungen, gehirnimpulsen, bildern - kurz gesagt, einer unglaublichen welt zu sein, wenn sie ihm nach so kurzer zeit wieder genommen wird ? und man kommt nie mehr zurück. ich werde nie alles sehen können.
und wo sind all die geister der vergagenheit ?
mir wird schlecht im kopf. gehirnkotze.
es ist nur dieses eine mal. dieses eine jetzt. und vom blickpunkt der ewigkeit aus betrachtet ist es nichts. und das macht es zu etwas unglaublichem.
aber ich kann damit nicht umgehen, noch immer nicht. ich konnte es auch damals nicht.
natürlich erfüllte es mich mit stolz, so jung zu sein und bereits solche gedanken denken zu können. ich war sehr, sehr schnell gealtert. meinen klassenkameraden endgültig überlegen. besonders wertvoll. und alles stürzt so schnell ein. hallo, lieber narzißmus.
ich urteile nicht über diese tat meiner eltern. und ich habe ihnen ihre vielen, vielen fehler bereits verziehen. man weiß es doch nicht besser; und vielleicht sollte es auch so sein. traumata haben nicht die bestimmung, geheilt zu werden. sie müssen anderweitig kompensiert werden.
ich denke da zum beispiel an einen musiker, dessen kleiner halt starb, als er noch jung war. verlassenheit schnürt dir die kehle zu. denn letzten endes, musst du daran doch schuld sein. und diese schuld wirst du nie mehr los. egal, wie viel du flüchtest. egal, wie viel du trinkst. gut, ich für meinen teil esse in dem fall. aber nur, weil ich nicht mehr trinken darf. aha, denkt man da. du also auch.
so spielt das leben. und sehe ich ville valo vor mir, spüre ich den geschmack von schuld auf meiner zunge.
schuld, so pathetisch.
einfach drauf los geschrieben. bin anscheinend mit meinen worten einfach mal so dahergeflossen. aber das haben gedanken nun mal eben auch so ansich.