Yummi.

Veröffentlicht auf von kadotettu.over-blog.de

16:48

 

gerade hatten wir eine wie immer sehr unspektakuläre hausversammlung. das heißt so, weil wir dort alle wichtigen dinge, die in der nächsten woche anfallen, besprechen. in der realität sieht es so aus, dass wir nur über die mahlzeiten der kommenden woche reden. und über so tolle dienste wie wasservergabe oder brötchendienst.

 

ich muss nur am samstag für den sonntag vorkochen. mach ich gern, solange ich es nicht zu essen brauche. ich habe allerdings schon wieder vergessen, was es geben soll. naja. juckt mich nicht.

 

essen. zum teufel damit. hassliebe. mir ist nach 7 jahren der sinn dafür vergangen. und der bezug. ich weiß nicht mehr, was eine für mich normale portion ist. ich esse entweder zu viel und immer weiter oder bis zu 400 kcal am tag, das ist die absolute obergrenze. mehr darf ich nicht. ich verbiete es mir nur zu gern.

 

  gut, zum essen zwingt man mich nicht mehr, seit dem ich nicht mehr zuhause wohne. damals gab es noch eine wut, die mich zum hungern trieb. zum sporttreiben, bis zur besinnungslosigkeit. wut gegen meine eltern. wut gegen mein leben. wut als mein halt, wut im bauch, das kommt von zu viel runterschlucken-müssen. von zu viel in mein fett-gekneife.  

 

ich weiß mittlerweile nicht mehr, was ich essen muss. es ist so überflüssig und so egal. ich bin froh, meinen frühstücks-apfel und meinen frühstückskaffee mit 7 süßstoffperlen und ein wenig 1,5% milch runterzubekommen, danach auf meinem fensterbrett zu hocken, rauchend, und in den tag hinauszuschaun. die stadt zu beobachten. und diese stille um mich herum, in mir drin, wohltuend, nichts fordernd, dieser eine moment vollkommenster sicherheit. wenn noch alles möglich ist.

und danach ist es mir lieber, nichts mehr zu mir zu nehmen. vielleicht noch ein trockenes vollkornbrötchen. irgendwann. oder ein bisschen magerquark. wenn ich es in gesellschaft essen kann. dann macht es mehr spaß und ich vergesse, was ich grad tue. und muss nicht an die schande in meinem bauch denken. dieses immerwährende beißende gewissen, langsam aber sicher in die breite zu wandern, weil ich versagt habe. es ist so schwer, vor sich selber zu bestehen.

 

 

und ich bin nicht kachektisch. ich habe kein untergewicht. nicht mehr. aber mit einem ziel lebt es sich besser, nicht wahr ? weil neben dem menschen ja auch noch das ziel ist. selbst, wenn ich es nicht erreichen sollte, ich habe etwas, was mich voran treibt, auch wenn es objektiv gesehen der reinste hirnriss ist. ich bin nicht blöd. ich bin nur süchtig nach dem rausch der magerkeit. ich brauche kein schlank-sein, um mich bestätigt zu fühlen. nicht für sowas.

ich brauche es, weil es mich am leben hält.

 

 

und das wird es mich wohl noch lange genug. ich habe schließlich meine lieblinge, meine kleinen, dummen fressanfälle. meine exogene selbstbestrafung, mein zudröhnen, wegessen und runterschlucken. das tier in mir ist niemals satt. ich habe ein netz von supermärkten, tankstellen und bäckereien in meinem kopf angelegt. bulimiker denken schließlich strategisch. ich weiß, wo ich hin muss, um mich kaputt zu machen. jetzt, so ich seit knapp einem jahr ohne selbstverletzungen bin. die symptome verschieben sich nur. so schlau bin ich auch. und wenn ich weder schneiden, schlagen noch fressen kann, bekomme ich eben eine panikattacke. danke, liebes gehirn. ich suche mir das nicht aus. ich bin fremdgesteuert und lebe in einem fremdkörper. nichts als hass, wenn ich in den spiegel schaue.

 

und 2 tage einfaches fressen reichen aus, um bis zu 6 kilo zuzunehmen. den kampf gebe ich niemals auf. nur vielleicht sollte ich anfangen, den kampf auch aufs leben zu übertragen, denn nichts anderes ist dies. das, womit ich nicht klarkomme, muss übers essen geregelt werden, so denkt mein kopf unbewusst und ich lache ihn aus. und komme nicht weiter.

 

ich bin angespannt. zu viel ist zu erledigen. zu viel, was ich nicht will. doch es reicht nicht, zu sagen, dass es mir nicht möglich ist. ich muss mich bestrafen, weil ich etwas will, was ich nicht darf. also futtere ich. vorhin, auf dem weg ins wohnheim, habe ich halt im penny markt gemacht. mich mit süßem scheiß eingedeckt. aber kein geld, das im klo landet. ich bin mir mittlerweile zu fein und zu schlau fürs kotzen.

und siehe da, vor mir an der kasse stand eine leidensgenossin. man hat ja mittlerweile ein auge für sowas. ich seh ihre einkäufe und denke mir meinen teil. und ich sehe sie an und picke mir körperliche anzeichen für ihr tun aus. dünne haare. kurze, brüchige nägel. hornhaut auf den handknöcheln. zittrige gestalt, normalgewichtig. gebückte haltung, unsichere blicke. ich weiß, was sie denkt und fühlt. kenn das von früher. möchte sie umarmen und sagen, dass sie keine angst zu haben braucht. dass sie das nutellaglas aber bitte zuletzt futtert, bevor sie es mit sprudel einweicht. schokolade ist eine tortur beim kotzen. geschätzte 4500 kcal liegen auf dem kassenlaufband. oder wie das heißt. bei mir sind es nur knappe 1800. habe heute schon genug scheiße intus.

ich hätte ihr gern liebe worte gesagt, aber ich weiß, wie sehr sie im stress ist. und ich hätte sowas auch nicht gern gehabt. möcht mal wissen, ob sie die kloschüssel jetzt schon geküsst hat. mit dem kotzen sollte man nicht so lange warten.

 

ich bin ein fettes schwein und das habe ich nun davon. ich kann nix tun, wenn ich mich so hasse wie jetzt. ich will nicht raus. ich will meine ruhe haben. aber es gibt dinge, die heute zu erledingen sind, die morgen zu erledigen sind und die nächsten tage. mit so viel anspannung komme ich eben nicht klar und futtere es runter. orale befriedigung. haha.

 

aber da muss ich durch. und ich bete, meine scheinruhe nicht länger durch meinen mund zu bekommen.

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Veröffentlicht in Essstörungen

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