Wunderschön.
22:44
Meine Lieben, welch herrlich durchwachsener tag.
heute morgen besuchte mich mal wieder meine heißgeliebte beauftragte dame vom jugendamt, um sich zu erkundigen, welch tolle fortschritte mein krankheitsbild (< bitte streichen) ich gemacht habe.
haha, lustig.
nein, ich hatte panik. konnte mich den ganzen morgen nicht rühren, weil der termin mit ihr bevorstand; da mein kopf aber meinen körper wohl oder übel zum aufstehen zwingen musste, dabei aber heil bleiben wollte, nahm ich das aufstehen, anziehen und fertig machen wie durch einen nebel wahr. das war nicht ich, die sich da wusch.
wenn die angst, zu sterben, einfach viel zu groß ist, schaltet sich alles ab, um nicht weiter mühselige energie in die tachykarde panik zu stecken. besser, die wahrnehmung nur auf sparflamme laufen zu lassen.
ich weiß nicht, inwieweit dies ein vorteil für mich war, aber mein dummer körper hat es ja nur gut mit mir gemeint.
jedenfalls war das gespräch selber die hölle. diese blöde tusse hat mich zur schnecke gemacht, mich in die ecke gedrängt - metaphorisch jetzt -, mich mit vorwürfen übergossen und meinem selbstbewusstsein somit schließlich ermöglicht, mein ganzes, unzusammenhängendes selbst anzuzünden. ich hasse solche leute.
ich möchte gar nicht weiter darüber reden. sie kennt mich nicht, und psychisch kranke sind für sie ein buch mit sieben siegeln. ich bin für sie nicht latent suizidal oder angstgestört, sondern faul und ausbeutend. ich liege nicht die ganze nacht grübeld und zitternd und stummschreiend wach, weil ich angst habe, sondern mache die nächte wohl ganz partymäßig durch. was weiß ich, was sie sich da vorstellt.
deswegen schlafe ich tagsüber, weil ich so partymäßig erschöpft bin, nicht um die stimmen in meinem kopf nicht mehr weiter hören zu müssen. weil ich meine gedanken nicht aushalte. weil es keinen sinn gibt. weil es besser wäre, einen schlussstrich zu ziehen und das leben zu beenden. und das ist einfach vollkommen logisch für mich.
gut, ich weiß, dass ich krank bin und diese gedanken kognitiv-psychische fehlleistungen in meinem gehirnstoffwechsel sind, aber das reicht nicht aus, um sie abzustellen. es füttert sie viel mehr.
und versucht einem laien so etwas zu erklären.
ich habe geweint, weil ich nicht mehr weiter wusste. meine bezugsperson musste für mich weiterreden. ich habe nicht mehr viel mitbekommen zum schluss (es waren knappe 3 stunden gespräch...) weil mein kopf zu sehr damit beschäftigt war, die vorwürfe in selbstbestrafungen zu rechtfertigen. und du wirst starr, siehst nur noch durch nebel. du schachtelst dich ein. und das ziehen in dir drin, der drang, sich wehzutun, das innere zittern, der ohnmächtige wunsch nach bestrafung, weil du nicht genügst, weil du einfach alles falsch machst, aber so bist du nun mal, du armer, schwacher und lebensunwerter mensch.
ich habe mich nicht bestraft. ich bin in mein zimmer gehuscht, mir eine kippe angezündet und meinen freund angerufen. ich wollte nur noch weg, raus, wenn schon nicht aus mir selber, so dann doch aus dieser scheißhölle von wohnheim-alltag. und es war eine gute entscheidung.
sind dann zu einem netten café gefahren und haben dort gefuttert (2 kleine laugenbrötchen waren heute somit meine einzige, bescheidene speise), unmengen kaffee getrunken und geredet. mein freund hätte beinahe den ganzen laden auseinander genommen, als ich ihm die story mit dem jugendamtsbesuch erzählt hatte. aber es tat gut, alles rauszulassen. menschen wie solche gibt es überall. es ist nur so wahnsinnig schwer, mit ihnen zurecht zu kommen; umzugehen, ohne dass man schaden davon trägt. mir sind im café so viele worte und argumente eingefallen, die ich der tusse hätte an den kopf knallen können. aber das beste fällt einem immer danach ein ... und in dem tatsächlichen augenblick kann man nur schauen, wie man zerfällt.
wir haben uns danach trotzdem noch einen schönen tag gemacht. sind zu Toys R Us gefahren, um uns spielzeug anzuschaun. als zwei wassermänner sind wir dafür prädestiniert, höllisch verspielt zu sein. diese idee kam spontan. und sie tat so gut.
nun liegt mein birgerchen neben mir und schläft, während ich das hier schreibe. ich bin noch nicht fertig mit diesem tag. ich zittere noch immer. ich habe diese unbändige wut in mir, die nicht weiß, gegen wen sie sich richten soll. es wäre so einfach, mich selbst zu verurteilen. aber ich muss hinaufschaun, von mir weg, mit aller gewalt. krampfhaft, obgleich es ein ding der unmöglichkeit ist. magnetisch ziehe ich meinen hass auf mich. ich kann mein spiegelbild heute ganz besonders nicht ertragen, diese müden augen, die nicht mehr wollen. die noch immer die vorwürfe spiegeln. und diese hände, die schon ganz rau und alt sind von zu viel angst. von zu viel gegen die wand schlagen.
und ich habe noch immer angst vor zu viel fühlen. vor zu viel morgen.