Picking Bille's brain. Special guest : her depression.
19:36
ja, ich lebe noch. irgendwie.
momentan finde ich allerdings kaum zeit, etwas sinnvolles zusammenzubloggen. ich finde mich in dem dickicht meiner gedanken kaum zurecht, bleibe hängen, vermodere. das ist zumindest das, was sich so kopflich abspielt.
ich habe viel zu tun. jetzt wird es langsam ernst. hatte gestern meinen zweiten terimn mit dem bewo (betreutes wohnen), haben meinen antrag ausgefüllt, war gar nicht so schlimm, obwohl ich scheißenehrlich bezüglich meiner x-tausend probleme sein musste. und die dame, die den antrag für mich ausfüllte, war zwar extrem kompetent, aber hat mir immer wieder klar gemacht, wie krank ich eigentlich bin. sie fragte mich, warum ich es nicht schaffe, morgens aufzustehen. ich habe ihr gesagt, dass ich nicht weiß, wofür ich aufstehen soll. das ich des lebens müde bin und nicht mehr nachdenken will. das der tag auch so vor sich hinlebt, ohne mein zutun. dass das leben mich eh schon überfahren hat. und was meinte sie ? erst mal aufstehen, dann gibt man dem tag schon ganz allein einen sinnm. der sinn überfällt einem nicht im bett. sondern entsteht dadurch, dass man am tag erst mal kleine dinge schafft.
gut. das ist mir doch klar. und es war auch lieb und helfend gemeint. aber selbst mit diesen tipps schaffe ich es noch lange nicht, ja zum leben zu sagen. so ein großer berg steht da vor mir rum. droht vor lauter anhäufungen auseinanderzufallen, mich zu begraben - aber das ist schließlich meine eigene schuld.
jedenfalls.
habe ich viel zu tun. ich muss mich um zu viele anträge kümmern, gesetzliche betreuung, grundsicherung, kindergeld, bekleidungsgeld, ich muss endlich das geld für den psychiatrie-aufenthalt überweisen, mich im berufskolleg anmelden, meinen zukünftigen vermieter aufsuchen, mich bei meiner psychologin melden (ich hatte die letzte sitzung "geschwänzt" bzw hatte eine attacke und bin nicht hingegangen. ich bin nirgendwo hingegangen an dem tag. heute übrigens auch nicht.)
and last but not least die möbelchen kaufen. wo soll ich anfangen? kann mir mal jemand ordentlich in den arsch treten ?
ich bin so müde. seelisch. mein freund regt mich auch immer mehr auf, bzw bin ich es, die immer mehr stillschweigend die nerven verliert. ich muss viel energie darauf verwenden, meine wut runterzuschlucken und nicht an ihm auszulassen.
nicht nur er, bzw seine kommentare nerven manchmal. es ist zum kotzen, wie sehr man für etwas anderes gehalten wird. ich bin weder faul noch kindisch noch naiv oder dumm. ich weiß vieles, aber ich sag es eben nicht. dumme erfahrungen, die man gemacht hat, nach denen man sich richtet, keine gleichen fehler ein zweites mal machen, das falsche leben dafür in kauf nehmen, weil ich meiner eigenen stärke nicht traue. oder eher, ich glaube, die anderen trauen meiner stärke nicht.
ich weiß. ich bin noch immer zu abhängig von der meinung anderer. was doch irgendwie dazu führt, dass ich mich nicht so verhalten kann, wie es mir selber gegenüber am gerechtesten ist. denn dieses würde ich doch noch immer für die anderen tun.
blöde alte, tausendmal durchgekochte spaghettigedanken, gehirnwindungen, tausendmal benutzt. routine, die mich noch eher ins grab bringt als mein zigarettenkonsum. doch wie leitet man die energie um, für sich? um seiner selbst willen. ich denke zu wenig an mich. stelle mir zu selten die frage, wie es mir gerade geht. was ich gerade brauche. was mir fehlt. ob mir dieses oder jenes wirklich gefällt. ich habe mich stattdessen immer schön und brav angeschwiegen.
ich wollte nicht dasein. mich weghungern, und vielleicht schwebt dieses dogma noch immer durch meine hintersten gehirnstübchen. weglaufen ist immer leicht, um den lebensschmerz nicht ertragen zu müssen. guck dich um, du siehst überall scheiße. aber man hat dich nun mal auf die welt geschissen und jetzt muss du gucken, wie du damit klarkommst.
was du damit machst. denn du bist nur ein einziges mal auf der welt. und du hast verdammt wenig zeit für deine träume.
bevor ich mich für heute verabschiede, 2 überaus sehr gute, vielleicht sogar die besten interviews (meiner meinung nach) mit ville valo. ich finde sie sehr inspirierend & interessant. bitte mehr davon. er ist einer der weingen musiker, mit denen man sich über sowas unterhalten kann. und gerade jetzt, wo ich mehr matschig auf dem boden liege als wirklich da zu sein, hilft es mir ungemein. philosophie war - für mich - schon immer ein gutes mittel gegen depressionen. wirkt anregend, energieliefernd. ablenkend, auf das wesentlich richtend. ein seelenbalsam.
... und ein guter beweis, dass der kerl doch nachdenken kann, bevor er den mund aufmacht. auch wenn mir hier das, was in ihm vorgeht und vor allem seine körpersprache dermaßen gegen den strich geht - aber man muss ja nicht alles an ihm mögen, und es ist klar, warum er sich so verhält.
was haltet ihr von dem interview?
und weil ich gerade lust dazu habe, beende ich diesen eintrag mit einem zitat meines lieblingsphilosophen Jean Paul Sartre, weil ich es so passend finde :
"Der Mensch ist nichts anderes als sein Entwurf; er existiert nur in dem Maße, als er sich entfaltet."