21:30
ich muss es niederschreiben, um es zu verstehen.
bevor ich mir noch meine haut in einem schönen dampfenden tränenbad von meinem körper reiße. (ich stelle mir da so ein richtig heißes bad vor, mit kochendem wasser. meinen körper rein, haut verbrennt, lässt sich leichter abziehen.)
ich habe das bedürfnis meinen körper bis in seine letzten worte zu zerstückeln, bis nur noch gedankenfetzen da sind.
ich kann es nicht anders verarbeiten.
das konzert war wirklich perfekt. unbeschreiblich genial.
trotzdem ist mir zum heulen. seit dem schluss des gigs fahre ich achterbahn, emotional gesehn. ich verstehe mich nun überhaupt nicht mehr. da ist nur scham und ratlosigkeit in mir drin, natürlich auch unglaublich viel freude und erleichterung, alles übersalzen mit zu viel unwirklichkeit. da sind viel zu viele gefühle, die man nicht ausfühlen kann, weil man sie nicht greifen kann. nichts mit ihnen anfangen. sie ziehen runter, weil sie changieren und ich nicht weiß, wohin ich gucken soll.
und für diejenigen, die mich am gigtag kennengelernt haben, bitte ich zu entschuldigen, dass ich aufgrund meiner sogenannten krankheit wahrnehmungsprobleme habe. deswegen ist alles was hier steht rein subjektiv. ich nenne keine namen und gehe auch nicht weiter auf euch ein.
nun. wo soll man anfangen?
ich habe die ganze nacht vorher kein auge zubekommen. die sind immer wieder aufgesprungen. und dann liegt man so da, mit weit aufgerissenen augen und schaut sich die graue rauschende leere an. realisieren, dass das rauschen im kopf ist. augen schmerzen, mit den fäusten gegendrücken. merken, dass man nie richtig liegt. es ist immer nur zu heiß oder zu kalt. und mein kopf spult dann die ganze zeit immer und immer wieder unwirkliche und vollkommen abstruse bilder ab. also lässt man den schlaf sein, weil da einfach zu viel adrenalin im blut ist, sei es nun angst oder freude.
es war halb 4 morgens. so weit so gut. fertig machen, frühstücken, aufhübschen, losfahren. sich ein paar mal verfahren, bis man das dumme kesselhaus findet. herumzittern, der kalte schweiß presst sich gegen die haut. habe angst, dass das alles so komplett falsch ist. habe angst, durchzudrehn. habe angst, nicht rechtzeitig anzukommen. habe angst, und das erscheint mir rein obejktiv betrachtet - so gesehen schimmert mir meine borderlin'sche merkwürdigkeit hier und da noch durch - von lauri bemerkt zu werden.
(ist das nicht sehr sehr sehr egoistisch? gut das er so viele fans hat, die er sich nicht alle merken kann (sollte man wert auf so etwas legen) da liegen die chancen gut, nicht im gedächnis verblieben zu sein. ich weiß nicht, warum mir das wichtig ist, aber es ist ein schönes gefühl, wenn man vergessen wird. vielleicht habe ich glück und sogar die ganzen anderen gestrigen fanmenschchen vergessen mich. vielleicht hoffe ich dadurch selber vergessen zu können. vergesst mich bitte, aber nicht den abend. ich glaube, das sollte euch gelingen.)
gegen 11 uhr morgens ist man dann da. und da hocken dann drei andere fans herum. macht nix, sitzt man sich einfach dazu. panikattacke abschwillen lassen. kalter schweiß brennt noch ein bisschen. überlegen, warum man da ist. in den bauch herumgraben, was da für gefühle sind. sehen, dass dort ein kleines chaos herrscht. also so gut zumauern bis man das gefühl hat, vollkommen leer zu sein. aktives runterkommen. währenddessen schweigt man und merkt wie sehr es die anderen verunsichert, weil sie dich nun mal nicht einschätzen können. man hält mich gern für merkwürdig. die drei fänmädels kannten sich ziemlich ziemlich gut und waren dementsprechend die ganze zeit am schnacken. so dann und wann höre ich zu.
bis ich irgendwann die schnauze voll von meiner schweigsamkeit habe und einfach drauflosquatsche. sowas ist radikal, damit verwirrt man andere noch mehr. aber es ist ein anfang. gemeinsames thema ist ja vorhanden. also hockt man dann so rum und beobachtet die musikmenschen, die andauernd an uns vorbeilaufen. schweden, finnen, engländer, eine gruppe alter omis. man wird ein bisschen mit den mädels warm. und ich schäme mich, dass wir die ganze zeit nur zusammen darauf warteten, bis lauri irgendwo rauskommt. das man ihn mal angucken kann. mädels wollen fotos und autogramme und ich bin mit der gesamtsituation überfordert. "was will ich von lauri?" sprüht der verstand an meine schädeldeckte und die schrift verwackelt vor lauter aufregung. ich registriere es peripher als "unlesbar", also hänge ich mich an die mädchen dran und schalte meinen kopf ab. doch der lauri bleibt stumm und versteckt sich. der hat auch keine antwort. aber sowas weiß man nicht, wenn die medikamentös-labil-schlafmangel-aufregung ein spinnennetz durch deinen körper webt und deine gefühle daran kleben bleiben. (gebt mir einen award für die dämlichsten wortzusammenstellungen.!)
weil zwei der mädels den lauri zusammen mit dem ilkka und dem antti im bühneneingang haben verschwinden sehen, hockt man sich zu diesem blöden bühneneingang und wartet. und nein, irgendwie wollte ich dort nicht so gern sitzen. aber es ginbt dinge, die merkt man eben nicht sofort. also labert crewmitglieder zu, erfährt vom ylön'schen soundcheck um sechzehn unr, hofft ein bisschen und reitet sich gegenseitig hoch, fantechnisch jetzt. bittet ilkka und antti mal den lauri rauszuholen. nun, ist schon ganz lustig, aber ich merke nicht, wie es mir nicht schmeckt. man ist so kindisch naiv aufgeregt, dass man sich selber nicht mehr aushält.
also habe ich mir das erste bier aufgemacht.
und den soundcheck genossen, die liedfetzen, welche sich durch die hauswand an meinen rücken drücken und ich zum ersten mal merke dass es gut ist, dass ich hier bin. lauris stimme ist nun wirklich perfekt. und weil andauernd irgendein musikkram zur bühne kutschiert werden musste, ging zwangsläufig auch die dicke tür vom bühneneingang auf. dann krabbelt man unauffällig dahin und hofft. und tatsächlich, da hinten auf der bühne, da steht ein laurivogel. gut, ich hab nur sein köpfchen gesehn, aber das hat mir ausgereicht. sieh an, der ist tatsächlich echt. stand dort im halbprofil herum und war mit vogelsein beschäftigt. hinter ihm fette rauschschwaden. und du guckst ihn dir an, wie er so nicht mal 5 meter von dir entfernt ist, und irgendwas läuft da total schief. als angstpatientin bin ich hypersensibel, und da merkt man ziemlich viel von den gedanken und stimmungen anderer menschen. mehr als einem lieb ist. ein grund warum ich trinke. aber egal, ich steh da so und glotze und weiß dass da was falsch ist. und sage jedem "ohhhh ich hab den lauri ganz kurz gesehn" - smilesmile.
betrunken macht fröhlich und mich macht es offen, aber bist du an dem tag besonders labil, schaffst du es nicht, ganz ehrlich mit dir zu bleiben. ehrlich im sinne von ich sage was ich denke und das ist gut so. du bleibst halb ehrlich und verdrängst dein emotionales bauchwollknäul, willst es dir wegtrinken. mein gefühle waren an dem tag vollkommen überladen. also trinke ich mehr, in der hoffnung, dass dieses falsch-gefühl in der biersuppe meines magens ertrinkt. was soll man sonst mit so einem gefühl machen.
ich hasse meine temporäre verklemmtheit, am liebsten hätte ich mir alles aus dem leib geschrien.
zurück zum thema. man wird betrunkener, es kommen mehr leute hinzu, aber letzten endes waren wir nur rund 15 personen. von 1000, die in den saal passen. und wir denken alle so, dass es gut ist. für uns, weniger für lauri. und dann stehen wir so vor dem haupteingang, lachen herum, labern, alle gleich aufgeregt und glücklich. (klar freute ich mich tierisch auf den auftritt, aber der alkohol tat da echt sein übriges.) und während wir da so rumstehen und auf den einlass warten...... kreischt jemand vor mir "daaa, der lauri ist daaa!" - alle drehen sich viel zu schnell um. aber doch und ja, da läuft er. auf uns zu, an uns vorbei. olivfarbenes tshirt, graue jeans, schwarze, total abgefuckt glänzende springer. zwei, höchstens zweieimhalb meter von mir entfernt. mit zwei anderen kerlen, ob es ilkka und antti waren, vermag ich nicht mehr zu sagen. meine beiden ersten gedanken : "der ist verdammt klein. und er geht verdammt komisch." aber er sah gut aus, scheiße. aber warum zum teufel ging der so komisch?????????ßßßßß
nun, egal.
ein bisschen dünn vielleicht, dieser große kopf, dieser putzige gang, dieser zwanghafte ich-seh-euch-nicht-blick, der ihm sichtlich schwer viel. und ich bin mir sicher, ihm missfiel es, dass wir nur so wenige waren, und das eine halbe stunde vor offiziellem einlass. kein wort zu uns, nur ein zaghaftes in die menge gucken, ein bisschen die hand heben und stumm-grinsend grüßen, davonschwinden (in dem fall stackseln), die menge tobt, alle drehen durch, aber keiner tut was. alle gucken ihm nur hinterher. und dann, er bleibt stehen und macht mit irgendeinem scheiß-menschen ein foto. betrunken wie ich bin schreie ich "BUUUHHHHH" und alle machen mit. ich setzte mit "TUULLEEE TÄÄÄÄLLLÄÄÄ!" noch eins drauf, denn ich hoffe, er nimmt mich nicht ernst. die security typen machen mich an, ich solle aufpassen, sonst komme ich nicht rein. würden sie finnisch verstehen, wüssten sie, dass ich nichts böses zu lauri gesagt habe. gut, kann ihnen nicht helfen. lag an der lautstärke. mich juckt das nicht, ich bin zu aufgedreht.
benebelt, vorlaut, glücklich und total falsch im kopf.
ich hatte wut in mir, wut auf mich selber. grenzenlose wut. sie wuchs schon den ganzen tag irgendwo in meinem innereien, unbemerkt. diese wut machte mich energiegeladen. ich weiß nicht, mit wie vielen leuten ich an diesem abend gequatscht habe. auf jeden fall hatte ich den eindruck, dass mich alle sehr gern mochten. ich war laut, offen und sagte was ich dachte. einige waren vielleicht überfordert mit mir, andere wollten meine facebookadresse. ich muss sagen, nach dem einlass begann eine wirklich sehr gute phase für mich.
oder aber, ich war schlimm drauf, denn meine erinnerung ist durch den alkohol verzerrt, benebelt, zu schnell. ich weiß es wirklich nicht.
wir waren dann irgendwann drinnen und suchten die richtige halle. die war aber immer falsch. also führte man uns ein stockwerk höher zum saufen. ja wirklich, da war ne kleine bar in der halle. und ne schöne bühne. die band, die uns jetzt eigentlich beglücken sollte hatte wohl abgesagt (bei 15 leuten, hallo?) aber dort konnte man rumstehen und trinken, bis man uns die richtige halle öffnete (ich weiß nun wirklich nicht mehr warum und wieso und weshlab, aber egal. wir hatten unseren spaß. oder nur ich. aber das ist auch egal.)
irgendwann ging ich mit einem süßen fanmädchen raus zum rauchen. es war noch lange nicht zeit für die erste band. also stehen wir da so rum und rauchen. denken an nichts böses. und sie "da ist lauri!" nein bitte ey. kam er wohl wieder zurück von seiner wanderung. "halte meine kippe ich renne schnell hoch und hole meine kamera und sag ihm er soll warten!" schreit sie und drückt mir ihre kippe in die hand. habe ich also zwei zigaretten, schaffe es aber nicht einmal mehr, von meiner eigenen zu ziehen. und steh dumm rum. und bin zu blöd um überhaupt irgend etwas zu tun. eine halbe dissoziation im siebten himmel. und ich sehe, dass laurivogel an mir vorbeifliegt, einen halben meter vor mir landet, mit wichtigen menschen zwitschert; ich schaue durch seine knopfaugen hindurch und schäme mich für mein gegaffe, als sich sein blick mit meinem trifft. ich mit meinen zwei kippen grinse total blödüberfordertentschuldigend. er grinst mich ebenso unsicherichwillhierweghalloentschuldigung zurück und RAST im eiltempo rein ins haus.
ein wirklich extremes merkmal an finnen ist, dass sie schnell gucken können. wirklich. sie gucken dich an und ehe du es realisiert schauen sie wieder weg.
ich frage mich noch, warum er mich überhaupt angegrinst hat, als das arme fanmädchen zurück kommt und ich ihr sagen muss, dass der vogel wieder weggeflogen ist. nein, ich hätte niemals einen versuch unternommen, ihn aufzuhalten.
tut mir sehr leid.
>> ein zweiter teil folgt eventuell morgen. auf jeden fall die tage. ich bin gerade zu hibbelig, um weiter zu schreiben.